Bei den Vereinten Nationen wird der Prozess besonders sichtbar, der in der Außenpolitik als Multilateralismus bezeichnet wird: mehrere Staaten sprechen ihre Politik miteinander ab und handeln gleichberechtigt gemeinsam. Die Charta der Vereinten Nationen legt die Spielregeln fest, nach denen die Staaten zusammenarbeiten und ist damit eine zentrale Grundlage der heutigen multilateralen Zusammenarbeit. Mit dem übergeordneten Ziel, den Weltfrieden und die internationale Sicherheit zu sichern, verpflichten sich die Staaten in der Charta, „eine internationale Zusammenarbeit herbeizuführen, um internationale Probleme wirtschaftlicher, sozialer, kultureller und humanitärer Art zu lösen“ (Art.1 Abs. 3 UN-Charta). Im Zeitalter der Globalisierung sind fast alle Staaten der Erde miteinander vernetzt. Konflikte, die tausende Kilometer entfernt stattfinden, können direkte Auswirkungen auf das Leben der Menschen in Europa haben. Phänomene wie der Klimawandel verursachen Probleme über alle Grenzen hinweg. Multilaterale Kooperation ist deshalb heute wichtiger denn je. Damit einher geht auch die Frage nach der nationalen Souveränität. Was bedeutet der Begriff der Nation innerhalb der Vereinten Nationen?
In der internationalen wissenschaftlichen Diskussion über Nation und Nationalstaat lässt sich – bei allen sonstigen Unterschieden und Gegensätzen – immer wieder eine Differenzierung in einen ethnischen und, auf der anderen Seite, einen politischen Nations- und Nationalstaatsbegriff feststellen.Eine Krise des Multilateralismus liegt dann vor, wenn seine Kriterien ausgehöhlt werden. Wenn es also keine gemeinsamen Verhaltensregeln mehr gibt, wenn Staaten nur partikularistische Ziele verfolgen oder wenn die Prinzipien der Unteilbarkeit und der diffusen Reziprozität nicht mehr gelten. Anders formuliert: Wenn sich einzelne Staaten aus multilateralen Kontexten zurückziehen, wenn sie bestehende internationale Normen bewusst missachten oder wenn es der Staatengemeinschaft nicht mehr gelingt, gemeinsam angemessen auf neue politische Herausforderungen zu reagieren, ist der Multilateralismus in der Krise.

Moderation:

– Lena Cornelis I Vorstandsmitglied der DGVN, Lv. Berlin-Brandenburg e.V.

Speaker:

– Prof. Dr. Tilman Mayer I Professor für Politische Theorie, Ideen- und Zeitgeschichte am Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie der Universität Bonn, Mitglied der DGAP
– Dr. Stephan Klingebiel I Leiter des Policy Centre für Globale Entwicklungspartnerschaften von UNDP in Seoul

Anmeldungen unter: www.dgvn.berlin/anmeldung

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