Kofi A. Annan – 7. Generalsekretär der Vereinten Nationen (8. april 1938 – 18 august 2018)

von Klaus-Heinrich Standke (Mitglied des Präsidiums)

Kofi Annan war in den Siebziger Jahren mein Kollege bei den Vereinten Nationen in New York. Niemand konnte damals voraussehen – mit Sicherheit auch er selbst nicht – dass er 20 Jahre später als erster Angehöriger des UN-Sekretariats auf Vorschlag des UN-Sicherheitsrates von der Generalversammlung der Vereinten Nationen am 18. Dezember 1996 zum Generalsekretär der Weltorganisationen erkoren würde. In einem persönlichen Gratulationsschreiben zu seiner Berufung als UNO-Generalsekretär habe ich am 19. Dezember 1996 folgende Zeilen an ihn gerichtet: „…I am proud that I have the privilege for having known you as an esteemed collegue during various stages of your outstanding career within the UN secretariat. Your professional background combined with your personal commitment to world affairs make the ideal blend of experience needed for the incumbant of the famous ’38th floor’. None of your distinguished predecessors at the time of his appointment to the highest UN office was better prepared than you to make the UN compatible with the formidable challenges it has to face when entering into the second half of its first century…“.

Als erster Deutscher nach dem Beitritt der Bundesrepublik Deutschland zu den Vereinten Nationen im Jahr 1973 war ich in der Zeit von 1974-1980 als UNO-Direktor für Wissenschaft und Technologie tätig. Hierbei bin ich meinem damaligen Kollegen Kofi Annan sehr früh persönlich begegnet. Ich erinnere mich an unsere erste Begegnung noch sehr genau: Er erbot sich von sich aus , einen internen Konflikt in einer strittigen politischen Grundsatzfrage, der außer Kontrolle zu geraten schien, durch seine Moderation bei einem gemeinsamen Mittagessen mit meinem damaligen Opponenten im Delegates Dining Room den Versuch zu machen die Auseinandersetzung beizulegen. Diese kleine Anekdote erklärt vielleicht besser als viele offizielle Würdigungen, wie viel ihm zeitlebens im Rahmen seiner Möglichkeiten daran gelegen war, Konflikte – seien sie auf großer offizieller Bühne oder seien sie in kleinem persönlichen Bereich – einer Lösung zuzuführen.

Nach diesem ersten Treffen haben wir häufig – wenn auch auf unterschiedlichen Arbeitsgebieten – kollegial zusammengearbeitet und sind uns auch auf privater Basis begegnet. Kofi (wie seine Kollegen ihn damals ausnahmslos nannten) war gelegentlich Gast in meiner Wohnung im 30. Stock hoch über dem Central Park ‚Park Ten‘, 10 West 66th St. in New York. Am 28. August 1980, vor meinem Überwechseln von der UNO zur UNESCO in Paris, nahm er an meinem emotionellen großen Abschiedsempfang teil und hinterließ freundschaftliche Zeilen im Gästebuch. Während meiner späteren Berliner Zeit ergab sich bei seinen offiziellen Besuchen in der Stadt – sowie auch bei anderen Gelegenheiten – wie z.B. am Rande einer Weltbank-Konferenz am 22. Juli 1997 in Toronto oder bei seinen UNESCO-Besuchen in Paris – die Möglichkeit zu einem kurzen Wiedersehen und zum Austausch von Erinnerungen an die Frühzeit unserer gemeinsam bei der UNO verbrachten Jahre.
Die Welt nimmt Abschied von einer Persönlichkeit, die den Vereinten Nationen „ein Gesicht“ gab. Ich nehme Abschied von einem außergewöhnlichen warmherzigen Kollegen, der zum Freund wurde.

In der nunmehr fast ein Dreivierteljahrhundert währenden Geschichte der Vereinten Nationen wird Kofi A. Annan in der Reihe ihrer Generalsekretäre gleichrangig mit seinem legendären Vorgänger Dag Hammarskjöld einen besonderen Platz einnehmen. Beide sind die einzigen UNO-Generalsekretäre, die mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden sind: Dag Hammarskjöld 1961 (posthum) und Kofi Annan 2001. R.I.P. Klaus-Heinrich Standke, Berlin/Cabourg

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